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Beschichten und Auskleiden - ganz schön dicht

Oberflächen unlegierter oder niedriglegierter Stähle werden nicht nur aus dekorativen Gründen beschichtet. Vorrangiges Ziel ist der Korrosionsschutz. Lacke und Anstrichstoffe gelten nach EN 971-1 als Beschichtungsstoffe. Eine weitere Möglichkeit ist das Bekleben der Metalloberflächen mit Folien oder Textilien. Die Beschichtung von Rohr- oder Behälterinnenwänden wird als Auskleidung bezeichnet. Mehrere übereinander angebrachte Schichten unterschiedlicher Materialien bilden komplexe Beschichtungssysteme, die eine Reihe von Aufgaben erfüllen.

Chemikalien und Wasser, aber auch Atmosphäre und Böden stimulieren das Korrosionsverhalten von Oberflächen. Verstärkend wirken elektrolytische Belastung (z.B. Streustromeinfluss) und/oder ein Temperaturgefälle.

Beschichtung ist dann erfolgreich und dauerhaft, wenn eine Reihe von Faktoren berücksichtigt wird. Besonders wichtig sind:

Unabhängig von der Art der Beschichtungsstoffe wird zwischen Dünnbeschichtung und Dickbeschichtung unterschieden. Dünnbeschichtungen bestehen meist aus mehrschichtigen Systemen von Reaktionsharzen mit einer Gesamtschichtdicke unterhalb von 0,8 mm. Beschichtungen mit größeren Dicken werden als Dickbeschichtungen bezeichnet. Sie werden oft aus bitumösen Stoffen oder aus thermoplastischen Halbzeugen, in wenigen Fällen aber auch aus Duromeren, aufgebaut. Einsatzgebiet für Dickbeschichtungen sind beispielsweise der Außenschutz erdverlegter Rohrleitungen, häufig in Verbindung mit einem kathodischen Korrosionsschutz.

Beschichtungsmaterialien besitzen ähnliche Eigenschaften wie Kunststoffe und korrodieren nur in den seltensten Fällen selbst. Schäden der Beschichtung haben ihre Ursache vielmehr in einer mangelhaft ausgebildeten Grenzschicht zwischen Beschichtungsmaterial und Oberfläche. Dies ist entweder auf unzureichende Oberflächenvorbehandlung (Verunreinigungen, nicht ausreichend gesandstrahlt) oder das mangelnde Benetzungsverhalten der Beschichtungsmaterialien zurückzuführen.

Reaktionsharze werden bei bauseitig hergestellten Beschichtungen eingesetzt. Auf großen Flächen, bei verwinkelten Bauteilen oder in kleinen Hohlräumen sind Reaktionsharze oftmals einfacher zur applizieren. Im Anschluss an die Beschichtung muss die Schichtdicke bestimmt und auf die Abwesenheit von Poren, Lunkern und anderen Fehlstellen geprüft werden. Dies ist in der Regel zeitaufwendig oder oftmals gar nicht möglich.

Werkseitig hergestellte Beschichtungsmaterialien sind Folien aus thermoplastischen Kunststoffen oder Elastomeren, die mit Textilien verstärkt werden können. Vorteilhaft ist, dass keine Lunker und Fehlstellen möglich sind. Textilverstärkte Folien zur Auskleidung dichten bei bestehender Flächenkorrosion bereits vorhandene, aber auch zkünftige Korrosionsschäden zuverlässig ab. Allerdings sind sie oftmals etwas teurer als die Beschichtung mit Reaktionsharzen, einfachen thermoplastischen Folien oder Elastomeren.